 |
Vortrag und
Diskussion mit
Thomas Maul (Berlin)
Dienstag, 25.10.2011, 19 Uhr, im Technologie- und Tagungszentrum, Softwarecenter 3, 35037 Marburg.
Im Juni dieses Jahres sollte Thomas Maul im Hörsaalgebäude,
Raum 113, der Philipps-Universität in Marburg zum Thema „Sex und Scharia. Zum Geschlechterverhältnis im Islam“ sprechen.
Thema des Vortrags wäre die Bedeutung der klassischen Sexualpolitik des Islam
für den gegenwärtigen Suizid- und Tugendterror gewesen. Es sollte aufgezeigt
werden, dass die islamische Gemeinschaft durch einen traditionellen
Phallozentrismus konstituiert ist, dessen Virulenz den Juden-, Frauen- und
Schwulenhass im ordinären Alltagsislam fortwesen lässt. Mit Thomas Mauls
Analyse der libidinösen Verfasstheit des Subjekts und seiner Kritik islamischer
Herrschaft wäre zur Abwechslung auch an der Marburger Universität etwas anderes
geschehen als soziologisches Fliegenbeinchenzählen oder vulgärmarxistisches
Ideologisieren. Nämlich kritische Theorie, deren Element die Freiheit und deren
Thema die Unterdrückung ist. Doch es sollte nicht
sein. Am Abend der Veranstaltung ist es der örtlichen Linksfeministen-
und Antirassistenszene gelungen, die Veranstaltung durch Türblockaden und
ausdauerndes Lärmen zu unterbinden. Die
mehrheitlich jungen Studentinnen benahmen sich während ihrer Störaktion nicht
nur wie besoffene deutsche Touristen auf südlichen Ferieninseln, sie sahen auch
so aus. Das Flugblatt, das sie mitführten, trug die Überschrift „Die
Bockwurstparty ist vorbei!“ und war der schriftliche Teil des Versuchs, dem
denunziatorischen Zirkus gegen Thomas Maul einen anti-deutschnationalen
Anstrich zu geben. Deutscher als jede Bockwurst es je wird sein können, war am
besagten Abend jedoch einzig und allein die triumphale Inszenierung der
antiautoritären Antisexismusgemeinde, die in bester neudeutscher Tradition vor
und im Raum 113 des Hörsaalgebäudes ihren Gefühlen freien Lauf ließ: wütend, authentisch und unzivilisiert:
„Das Fleisch braucht Lebensraum, die
Nähte platzen. Die Antwort der Mode auf dieses neue Körpergefühl ist der
Schlabber-Look. Manche ziehen sich einfach aus. Da stehen sie nun, nackt,
rundlich, konturenlos, viel zu groß, wie Riesenbabys: Jungdeutschland, die eben
wiedergeborene Nation.“ (Wolfgang Pohrt)
Die Marburger Riesenbabys unterscheiden sich hinsichtlich
des feministischen Auftrags von ihren Vorgängerinnen, die Wolfgang Pohrt im
Blick hatte, als er gegen die ersten Frauen- und Friedensbewegungswellen im postnazistischen
Deutschland polemisierte, lediglich
dadurch, dass die Gleichberechtigungs-Forderungen von damals größtenteils
verwirklicht sind, weswegen die Feministinnen von heute ideologisch expandieren
mussten. Das Resultat kann man als Antirassismus bestaunen, wenn zur
Islamverteidigung gerufen wird, man kann es als Antikapitalismus bestaunen, wenn
die Verteidigung kollektiver Versumpfungen als
Freiraumforderungen daherkommen und man kann es als bloße Skurrilität
etwa dann bestaunen, wenn junge Damen
mit angemalten Bärten in unförmigen Minikleidchen zum so genannten Slutwalk
schreiten und das Recht auf Hässlichkeit einfordern.
Auf der kommenden Veranstaltung wird es nicht in erster
Linie darum gehen, den schlechten Geschmack und die provinziellen Neigungen deutscher
Frauen im Allgemeinen und linker deutscher Frauen im Besonderen zu diskutieren.
Gleichwohl wirft die Physiognomie des linksdeutschen Feminismus die Frage auf,
warum es immer wieder linke, sich mitunter feministisch nennende Frauen sind, die
ihre moralische Verwahrlosung offen zur Schau stellen, indem sie feinfühligstes
Verständnis für gröbsten Frauenhass im Islam aufbringen, Kopftücher als
Selbstbestimmungsutensil verklären oder Islam-Kritiker als Rassisten
denunzieren und damit in jedem Fall das Recht und die Möglichkeit der Befreiung
aus islamischen Fängen dementieren. Dass selbsternannte Feministinnen die
gewaltsame Unterdrückung von Frauen im orientalischen Gewandt mittragen,
während beim leisesten Anmach- oder Widerspruch, dem gewöhnlichsten Blick oder
dem seltenen Sexangebot im eigenen Lebenskreis die patriarchal-sexistische
Grenzüberschreitung halluziniert wird, kann mit der Schlichtheit und Bigotterie
linker Weltanschauungen allein nicht erklärt werden. Die kalte Offenheit, mit
der man dem Islam begegnet, basiert auf dem totalen Friedensversprechen, das
die „dümmste aller Religionen“ (Michelle Houellebecq) den libidinös und
sozioökonomisch Überforderten in aller Welt feilbietet. Die linksfeministische
Islamnähe unterscheidet sich kaum von der allgemeinen Islamseligkeit. Was immer
mehr Menschen am orientalischen Glauben lockt, ist sein antiwestliches
Programm. Die handreichenden Gehorsamsverbindlichkeiten und überschaubaren
Handlungsanleitungen versprechen Rundumversorgung und Seelenfrieden in einer
permanent überfordernden Welt. Gegen die
Verderbtheit der Zivilisation stehen die Untergebenen Allahs für
Lasterlosigkeit, Gemeinschaftsgefühl und Bestrafungssinn. Eine Welt ohne
triebhafte Verlockungen, sexuelle Konkurrenz und individuelle Eitelkeiten, eine
Welt in der man einfach nur lieb
zueinander ist, wo nichts mehr lockt und nichts mehr anstrengt, eine solche
Welt sucht das antisexistische Bedürfnis und glaubt, sie im Islam zu finden.
Dass gerade das Körperliche und
Sexuelle überfordert, ist keine Erfindung linker Frauen, sondern eine
kapitalimmanent gesellschaftliche Tendenz. In der postfordistisch organisierten
Produktionsweise in den westlichen Gesellschaften des gegenwärtigen
Kapitalismus, in der sich ein Strukturwandel des variablen Kapitals vollzogen
hat, in der immer mehr Menschen mit Menschen statt an Maschinen arbeiten, ist
die „ganze Persönlichkeit“ entscheidende
Produktivkraft. Der Lohnarbeiter, gleich welchen Geschlechts, sieht sich damit
konfrontiert, seinen Körper, seine Gefühle und seine Sprache marktkompatibel zu
disziplinieren und anzubieten. Körperlichkeit und sexuelle Attraktivität haben
inmitten der warenästhetischen Verfasstheit der kapitalistischen Gesellschaft
funktionalen Charakter. Demnach ist Sex gesund, diszipliniertes Maßhalten zeugt
von Charakterstärke und hübsches Auftreten in Kombination mit schlagfertigem
Sprechen wirkt beim Vorstellungsgespräch ebenso wie in der ausgeweiteten
Kampfzone, in der nach Feierabend die narzisstischen Gratifikationen fürs
frisch-fröhliche Weitermachen eingesammelt werden. Weil die Subjekte natürlich
nicht so stabil sind, wie die Werbefiguren, denen sie nacheifern, sondern
selbst mit teuren Aktenkoffern ziemlich verunsichert, verloren und einsam durch
die Welt irren, herrschen trotz kulturindustrieller Dauerbespaßung permanente
Überforderung und chronische Angst, in deren Folge sie massenhaft krank oder
depressiv werden. Ein Antidepressivum, insbesondere für die an Esoterik und
Gemeinschaft Interessierten, ist der Islam. Sein Anti-Individualismus, bietet
Stammplatzgarantie in Gebetsmeute und Familienbande.
Die naturgemäß auf das Sexuelle abonnierte Antisexistin
verspricht sich von der islamischen Lebenswelt Freiheit von Sexualität und
Freiheit von der Anstrengung der Lust, die mit ihr zusammenhängt. Wie der antiwestliche Islam sucht auch der Antisexismus
die eigene Unzulänglichkeit bei der Bewältigung der triebökonomischen
Ambivalenz des nachbürgerlichen Individuums durch übersexualisierende
Desexualisierung aufzuheben. Die antisexistische Rebellion, die sich gegen das
Käufliche, Schöne und Sinnliche richtet, steht in der deutschen Tradition des
antibürgerlichen Glücksverrats und der ätzenden Utopielosigkeit dieses
Bauernvolkes, das mit der Bauernreligion des Islam die Auffassung teilt, dass
das Heil im Elend liege. Dort, wo man nur Rachsucht, aber keine Sehnsucht
kennt, gilt Verführerisches als nuttig, Anmut als uneigentlich und Schönheit
als Gefahr, die es abzuwenden gilt „[…]
hier zwingen die Mullahs den Frauen Kopftuch und Mantel auf, da gelten den
Antisexisten unförmige Hosen und Kapuzenpullis als adäquater Ausdruck einer
Gesinnung, die Feminismus mit Hass auf Schönheit, Sinnlichkeit und Darstellung
von Sexualität verwechselt; Frauen, die mit ihren körperlichen Reizen zu
spielen gedenken, erscheinen hier als Huren und da als Verräterinnen.“
(Thomas Maul)
Im Anschluss an den Vortrag wird die Möglichkeit bestehen,
die skizzierten Thesen zu diskutieren.
Die Veranstaltung findet nicht in Kooperation mit der Universität oder universitären
Gruppierungen statt. Gerade an Orten wie Marburg, wo neben dem
Kontrollmechanismus, der eine Universität ist, zusätzlich jene Kontrollmechanismen greifen, die linke Berufsideologen überwachen, hat sich
Ideologiekritik gegen die alten und neuen Wutbürger zu positionieren. Das
ideologische Mistfeld, das von trostlosen Linksradikalengrüppchen über die
linke Fachschaft bis zum Universitätskanzler Friedhelm Nonne gleichermaßen
befruchtet wird, ist die Grundlage für jene Denkfeigheit und Kritikunfähigkeit
die in Marburg allerorts anzutreffen ist. Kritik hier geht nur als Kritik des
linken Muffs. Wer Interesse an Kantischen Basisbanalitäten hat, daran nämlich,
dass die Fähigkeit und der Mut jedes Einzelnen, sich seines Verstandes zu
bedienen, nicht automatisch vom Stumpfsinn der lokalen Lebensweise und vom
Gesinnungsterror der örtlichen Rollkommandos kassiert werden, der sei hiermit
herzlich eingeladen: Zur Kritik der in Marburg herrschenden jung- und
neudeutschen Ideologie.
Veranstalter: Gruppe Morgenthau, Marburger Zustände
|
 |